| So verstanden, sind die Bilder Rainer F. Stockés
reine und strenge, geordnete und zugleich unbegrenzt tätige Phantasie
und Bild-Poesie. Die Wahrnehmungen hinter besagter Netzhaut sind es, auf
die es hier ankommt. Auf diese Art und Weise wird nicht nur thematisch
etwas endlos erweitert zu einer bildhaften Poésie ininterrompue,
einem unablässigen und ununterbrochenen Arbeiten der Vorstellung,
auch der flüchtigeren „Stimmung". Man kann auch die Arbeiten
als sensiblen, individuellen Wahrnehmungsfilm ansehen, ebenso beziehungsreich,
geheimnisvoll wie kombinatorisch überraschend, mit Geheimnissen, geheimnisvollen
Konstellationen überraschend. Diese Landschaften des Inneren sind
Reduktionen, gewiss. Hier zog sich Bild zum Inbild auf die Einzelheit zusammen,
auf die es jeweils ankam, die übrig blieb, beziehungsträchtig-isoliert,
um es paradox zu formulieren. Spiel ist nicht Spielerei. Es ist nicht wahllos,
wenn auch Zufall mit hineinspielen mag. „Man soll den Zufall nicht
um seine Unschuld bringen”, wie Nietzsche meinte. Diese Unschuld
ist am Werk, arbeitet mit jenen besonderen, herausgehobenen („isolierten")
Einzelheiten und bringt sie in wechselnde Beziehung. Die Titel – soweit
Stocké Titel überhaupt nennt – sind zurück-haltend.
Die Bilder bieten sich sich dem Beschauer so an, dass er seine Sensibiltät
mitspielen lassen muss. Er muss ergänzen. So gehört es sich wohl
auch. So bleibt es bei „Raum" oder „Form und Raum".
Das ist sparsam, vielsagend, auffordernd und herausfordernd.
Rainer F. Stocké –
Landschaften des Inneren,
von Karl Krolow |
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